Auf ein Wort!

Barmherzigkeit


Wer ist denn mein Nächster?
Lukas 10,29

 

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn,

kennen Sie diese Leute, die immer alles richtig machen? Die nicht nur Besserwisser sind, sondern die tatsächlich alles besser wissen? Egal, was Sie diesen Leuten erzählen wollen, sie haben es bereits gehört, gelesen, studiert. Und wenn diese Experten selber mal eine Frage stellen, dann eigentlich nur deshalb, um nochmal aus dem Mund eines Anderen zu hören, was sie sowieso schon wissen. Ein solcher Experte trifft eines Tages auf Jesus und fragt: „Was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?“ Zu seiner Zufriedenheit antwortet Jesus genau so, wie er es für richtig hält. Die beiden sind sich einig: Wirkliches Leben gibt es nur, wenn dem Nächsten mit Liebe und Barmherzigkeit begegnet wird.

Doch wer ist mein Nächster will der Experte nun wissen. Wen genau muss ich lieben, um wirklich zu leben? Jesus antwortet auf diese Frage mit der Geschichte des barmherzigen Samariters. Und je öfter ich die Geschichte lese, desto klarer wird es mir: Jesus antwortet eigentlich gar nicht auf die Frage des Experten; er konterkariert sie vielmehr. Geschickt wählt er mit dem Samariter eine Figur, mit der sich unser Experte auf gar keinen Fall identifizieren würde. Einen Fremden. Einen, auf den man mit Argwohn schaut. Dem Experten hingegen weist Jesus eine andere Rolle zu: Du bist der unter die Räuber geratene. Du bist der, der Liebe und Barmherzigkeit eines Nächsten bedarf. Die Frage ist also nicht mehr: Wen muss ich als meinen Nächsten lieben, damit ich wirklich leben kann, sondern wer wird mir zu einem Nächsten, der mich liebt und mir mit Barmherzigkeit begegnet. Die alte Kirche glaubte, dass der Samariter in unserer Geschichte, Jesus selber sei, der in diese Welt kommt und uns zum unerwarteten Nächsten wird. Jesus macht uns damit durch seine bedingungslose und Grenzen sprengende Annahme selbst liebesfähig. Da, wo ich selbst Barmherzigkeit finde und angenommen bin, da werde auch ich befreit, andere anzunehmen und aufzuspringen auf die Bewegung der Liebe Gottes.

Ihr Vikar Stefan Dross

 

VON KLEIN NACH GROß - EIN BESONDERES PROJEKT DER KIRCHENGEMEINDE EHRENFELD