Auf ein Wort!

„Wir haben hier keine bleibende Stadt!“

(Hebräer 13, 14)

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Das Veedel, in dem wir wohnen, ist uns vertraut. Der Weg zur Arbeit, zu den Ärzten, zum Bäcker um die Ecke. Diese Vertrautheit gibt uns das Gefühl, zu Hause zu sein. Das Gefühl, eine Heimat zu haben, braucht jeder Mensch. In unserer Heimat fühlen wir uns geborgen, da fühlen wir uns anerkannt. Wenn Menschen ihre Heimat verlieren, ist das schlimm. Sie sind auf einmal Fremde, von ihren Wurzeln abgeschnitten.

Und doch überkommt uns von Zeit zu Zeit eine gewisse Ruhelosigkeit, eine Reiselust. Dann möchten wir aus allem raus. Wir Menschen sind gern auf Reisen. Was treibt uns um, ein- oder zweimal im Jahr auf die Suche zu gehen? Und doch kommen wir auch immer wieder gerne zurück. Manchmal müssen Menschen in die Fremde gegangen sein, um die Heimat schätzen zu lernen. Der Philosoph Ernst Bloch bezeichnet Heimat als „ein Gut, dass allen in die Fremde leuchtet“.

Zu dieser Heimat zählen für mich immer auch die Menschen in meiner Nähe, in der Nachbarschaft, mit den kleinen Begegnungen und Gesprächen. Heimat ist nicht nur ein Ort. Heimat sind gerade auch die Menschen an diesem Ort. Ich bin dort zuhause, wo ich mich wohl fühle, bei denen, die ich mag und die mich mögen, zu denen ich gern hingehe. Da darf ich mich entspannen. Da darf ich so sein, wie ich bin.
„Wir haben hier keine bleibende Stadt“ heißt es im Brief an die Hebräer. In der Bibel findet man Spuren von Menschen, die ihre Heimat, ihr Zuhause verloren haben. Sie erzählt von Entwurzelung und von der Klage über den Heimatverlust. Aber sie erzählt auch von Menschen, die ihre Heimat bei Gott gesucht und gefunden haben.

Auch mir gibt Gott eine Heimat. Er ist immer mit mir unterwegs. Immer, wenn ich Abschied genommen habe und aufgebrochen bin, habe ich gespürt: Er ist bei mir. Bei ihm finde ich eine Heimat, die mir keiner nehmen kann – egal, wohin es mich im Leben verschlägt.

Wie ist das bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser? Wo sind Sie zu Hause? Wo dürfen Sie so sein, wie Sie sind? Wer gibt Ihnen Heimat?

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie Heimat tief in Ihrem Inneren erleben: an einem Ort, bei den Menschen und mit Gott.

Ihr Martin Dielmann