Auf ein Wort

Siehe, wie fein und lieblich ist‘s,
wenn Geschwister einträchtig
beieinander wohnen!
Psalm 135,1

Liebe Nachbar*innen,

kennt ihr das auch? Schöne Momente mit der Familie, mit Eltern, Geschwistern und Freunden? Momente, wo man einfach zusammen ist und einträchtig Zeit miteinander verbringt: Der Tisch ist reich gedeckt. Die Weingläser sind gefüllt. Die Gespräche laufen entspannt von allein und die Atmosphäre ist von Wohlwollen und Wertschätzung geprägt. Und doch ist das nicht immer so. Und ich bin froh, dass Familie mehr ist als harmonisches Beisammensein. Und das Geschwister-zu-sein mehr bedeutet als immer fein und lieblich und vielleicht sogar brav zusammenzusitzen.
Und das heißt nicht, dass ich diese schönen Momente kleinreden will. Ich glaube sogar, dass wir in diesen Momenten etwas von dem spüren, was Gott in uns hineingelegt hat. Wir sind gerufen in Frieden und Solidarität miteinander zu leben und ich glaube, da gehören diese harmonischen Momente und Zeiten des gemeinsamen Feierns dazu. Auch in unserem Urbanen FamilienKloster kennen und lieben wir diese Momente des gemeinsamen Feierns. Die Freude darüber, mit Menschen zusammenzuleben, die ich mag (manchmal zumindest) und die mich mögen (manchmal zumindest) und die sogar meine Kanten und Eigenarten kennen und schätzen (manchmal zumindest). Und doch wissen wir, dass einträchtig beieinander wohnen eben auch bedeutet, dass wir unsere Verschiedenartigkeit anerkennen - auch wenn Verschieden-sein manchmal anstrengend ist. Aber Einheit bedeutet gerade nicht Uniformität. Und wer in Einheit zusammenleben will, muss zuerst die Vielfalt schätzen lernen! Weder wollen noch sollen wir alle gleich sein! Was uns aber verbindet, ist eine Haltung, eine Grundlage auf welcher wir einander begegnen. Jesus fordert uns auf einander zu lieben, uns  solidarisch zu begegnen, so zu kommunizieren, dass wir in Frieden miteinander leben können. In Eintracht. Und gerade weil wir in Eintracht beieinander wohnen wollen, wollen wir streiten lernen. In Würde. Weil ein Leben in Eintracht  kein Leben in  oberflächlicher Gleichförmigkeit ist, sondern in versöhnter Verschiedenheit.
Euer Pastor Sten
(Stefan Dross)