Auf ein Wort!

Brannte nicht unser Herz?

(Lukas, 24, 32)


Liebe Nachbar*innen,

ich schaue von meinem Schreibtisch hoch und sehe das Außengelände in der Eisheiligenstraße vor mir. Bis vor ein paar Monaten tollten hier noch die Kinder der Kinderarche herum. Jetzt höre ich den Presslufthammer der Renovierungsarbeiten über mir dröhnen. Noch ist dieses Hämmern für mich kein Baulärm. Noch ist es Musik in meinen Ohren. Endlich geht es los - der Abbruch, der Umbruch, der Aufbruch beginnt. Und auch in mir bricht etwas auf. Ich schaue auf die letzten 15 Monate zurück und gerate ins Staunen: Hatte es nicht alles ganz klein begonnen? Eine Idee? Ein Traum? Eine zaghafte Anfrage? Seit fast zwei Jahren bin ich Vikar hier in Ehrenfeld und als ich anfing, habe ich mir die Frage gestellt: „Wieviel Raum gibt es in der evangelischen Kirche in Ehrenfeld? Wieviel Raum, um zu träumen und zu spinnen und Neues zu wagen?“ Noch immer bewegt mich die Frage danach, ob und wie eine so alte Institution wie unsere Kirche Raum für Aufbruch, Abbruch und Umbruch bereithält. Aber heute bin ich tief berührt. Ich stelle diese Frage heute weniger skeptisch als viel mehr neugierig und gespannt. Feuer braucht Raum und Luft. Unsere Leidenschaften und Ideen brauchen Platz. Wo sind wir bereit mit Altem zu brechen, um endlich aufbrechen zu können? Wo können wir sagen: „Schön, dass es das einmal gegeben hat. Ich erinnere mich gerne daran zurück. Und ich bin bereit, es jetzt hinter mir zu lassen und aufzubrechen, um Raum zu schaffen und Neues zu wagen.“ Manchmal führt Aufbruch dann zum Abbruch und wir müssen Dinge endgültig beenden. Und manchmal führt Aufbruch zum Umbruch, weil wir spüren: Viel von dem, was wir tun, ist gut und ein großer Schatz. Es passt nur nicht mehr so richtig. Es engt uns irgendwie ein und muss neu angepasst werden. Nicht abgerissen, sondern umgenäht und neu zusammengestellt. Ich wünsche Ihnen als Einzelne und uns allen zusammen als Kirche den Mut, aufzubrechen und Raum zu schaffen! Vielleicht staunen wir ja nächstes Jahr schon darüber wie viel aufgebrochen ist.

Ihr Vikar Stefan Dross