Auf ein Wort

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.
Und es geschah ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und
erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Apg 2, 1f

Liebe Gemeindemitglieder,

ich schreibe diese Zeilen in der Vorbereitung des Pfingstfestes. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. O je – was hat unsere Kirche im Laufe der Jahrtausende nicht alles erlebt und auch erlitten? Zuerst die Verfolgung in den Amphitheatern der Antike. Es ist noch nicht lange her, da kämpfte die Bekennende Kirche um die Botschaft des Evangeliums und da lebten Christen in der DDR mit großer Angst. Und jetzt – Corona. Der Schock sitzt tief. Die Bilder der Militärfahrzeuge in Italien, die Bilder von New York, Brasilien oder Indien – sie stehen uns vor Augen. Da ist viel Angst und seelische Not. Auch in unserer Gemeinde überschlugen sich die Dinge. Keine Gottesdienste, keine Veranstaltungen in den Gemeindehäusern. Kein Straßenfest. Keine ökumenische Bustour. Keine Bibelfreizeit in Hohegrete. Vielleicht kann dieser Gemeindebrief helfen, das Erlebte ein wenig zu verarbeiten?

s_kuttner20.jpgDer Pfingstgeist ist ein fröhlicher, ein mutiger Geist. Auch die Jünger in Jerusalem waren durch Jesu Tod geschockt. Der Pfingstgeist richtete sie auf und befreite sie von aller Furcht. Plötzlich begannen sie zu predigen, zu säen und zu pflanzen und die Urgemeinde erwachte. Es war eine klasse Gemeinschaft. »Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam« (Apg 4,32). Vielleicht zeigt uns ja gerade die Corona Krise, wie verletzlich wir Menschen sind. Es ist doch fantastisch wie viel Menschlichkeit plötzlich erwachte. Da waren unzählige Telefonate, da waren Gottesdienste auf der Webseite oder der Fenstersegen mitten in Ehrenfeld. Plötzlich entdeckte die Gesellschaft, wie wichtig unsere Krankenschwestern und Krankenhäuser sind. Und die Weltgemeinschaft erkannte, dass nur Solidarität weiterführt.

In diesen Tagen beginnen wir in Ehrenfeld unsere Kirchen und Gemeindehäuser wieder zu öffnen. Langsam und mit Bedacht unter Wahrung der Hygienevorschriften. Ich freue mich auf die anstehende Gemeindearbeit. Ich wünsche uns den Pfingstgeist der Urgemeinde. Sein Brausen und sein Feuer erfülle uns. Lasst uns säen und pflanzen. Denn eines ist sicher – der Geist Gottes verlässt uns nicht! Er ist an unserer Seite. Bleiben Sie gesund und guten Mutes,

Ihr Siegfried Kuttner