Fenstersegen zu Ostern

Ostern 2020 und der Fenstersegen

Fenstersegen_2kl.jpgDie Ostertage sind eine Zeit der Besinnung, des Versöhnens, der Gemeinschaft und der Freude. Ein Fest, wo wir uns in unseren Kirchen treffen: Zum Innehalten, zur Todesstunde Jesu der Musik lauschend, zum Beten, zum Hören auf die Einsamkeit und Verzweiflung Jesu am Kreuz. Ein Fest, wo wir die Auferstehung und das Leben feiern. Ein Fest, wo Mauern überwunden werden, Grenzen gesprengt, wo Vergebung und Gnade regiert und wir ganz neu Gemeinschaft miteinander und mit Gott haben können. Aber dieses Jahr?

In einem Jahr, wo Gottesdienste verboten werden, wo Menschen sich nicht mehr begegnen können und selbst Familien Abstand voneinander halten – wie sollen wir da zusammenkommen, uns besinnen und gemeinsam feiern? Mein Mann, Vikar Stefan Dross, und ich (Bild) haben in der Woche vor Ostern darüber nachgedacht, wie wir dazu beitragen können, dass in unserer Kirchengemeinde Ostern dennoch und trotzdem gefeiert werden kann. Wie können wir Ostern gestalten bei all den Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen? Wie können wir gemeinsam feiern – auch wenn wir uns eben nicht nahekommen dürfen?

Und so sind wir am Ostersonntag und Ostermontag eine Route durch Köln-Ehrenfeld mit insgesamt 17 Stationen gewandert und haben den Ostersegen zu einzelnen Gemeindemitgliedern nach Hause gebracht. Stefan im Talar und ich mit der Trompete in der Hand: Christ ist erstanden von der Marter alle! Er ist wahrhaftig auferstanden! Inmitten dieser Welt stiftet er Gemeinschaft, ist uns nahe, auch da, wo wir Abstand halten müssen! Er überwindet Grenzen und Mauern. Gerade in dieser besonderen Zeit ist er derjenige, der uns zuspricht: »Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.« Wir haben gemeinsam und miteinander verbunden kleine Andachten gefeiert auf der Straße vor den Häusern. Oft sind Nachbar*innen auch auf ihre Balkone oder an die Fenster gekommen, Spaziergänger*innen haben angehalten, zugeschaut und teilweise mitgemacht. Berührte Gesichter, feuchte Augen, Begegnungen und Nähe – trotz Abstand. Gemeinsames Singen, Beten, gemeinsames Feiern der Auferstehung. Hoffnung spenden und Hoffnung hautnah erleben. Was für ein Segen, dass ich Teil davon sein durfte, Gottes Ostersegen in den Straßen zu verteilen. Ein ganz anderes, aber eben auch ein ganz besonderes Ostern!

Und weil wir so viel positive Resonanz bekommen haben, sind wir ein paar Wochen später noch zweimal unterwegs gewesen, um einen kleinen Fenstersegen zu den Menschen nach Hause zu bringen. Denn Kirche ist nicht nur in unseren Kirchengebäuden, sondern da, wo wir zusammenkommen, einander begegnen und uns dabei auf Jesus Christus beziehen.

Tabea Dross