Heimat

Eine Möglichkeit, sich einem Begriff zu nähern, ist es, dessen Geschichte zu betrachten. So haben Sprachforscher herausgefunden, dass das Wort »Heimat« vor dem 19. Jahrhundert kaum verbreitet, ja oft unbekannt war. Populär wurde es erst, als Industrialisierung und Landflucht die vormodernen Gesellschaftsformen und die Ortsgebundenheit der Menschen aufzulösen begannen.

Das zeigt: Was Heimat bedeutet, erfährt man, wenn man sie verlässt oder verliert. Dies war schon Theodor Fontane bewusst, dessen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ eine Reaktion auf einen längeren Auslandsaufenthalt in Großbritannien waren. In seiner Zeit, dem späten 19. Jahrhundert, fand der Heimatbegriff seine größte Verbreitung. Es war die Zeit, in der die Menschen nicht mehr an ihr Heimatdorf, ihre Familie oder ihren Feudalherrn gebunden waren. Auf der Suche nach Arbeit gingen sie in die neuen Industriegebiete und ihre zutiefst persönliche und emotionale Bindung an die Heimat wurde durch die Bindung an eine abstrakte Gemeinschaft, die moderne Nation, ersetzt. Dadurch entstand aber auch eine neue Sehnsucht nach der alten Vertrautheit, der Heimat, die fortan in zahlreichen Schriften eine Rolle spielte.

Heimat drückt vor allem die Beziehung eines Menschen zu dem Ort aus, wo seine Sozialisation stattgefunden hat, wo er seine Identität gewann. Die Heimat ist also der Ort, in welcher er Sicherheit und Verlässlichkeit seines Daseins erfahren hat. Das heißt aber nicht, dass nur ein Ort Heimat sein kann. Für einen Menschen können durchaus mehrere Orte Heimat werden, wenn er lange genug an einem Ort verweilt und dort positive Erfahrungen macht. Hirnforscher haben festgestellt, dass sich das Heimatgefühl durch wiederholte Prägung in unserem Gedächtnis ausbildet. Durch dieselbe Prägung entstehen auch Heimatgefühle, die nicht an einen Ort gebunden sind, sondern sich auf eine Sprache oder Religion beziehen.

In politischen Debatten spielte die Heimat bis vor wenigen Jahren kaum noch eine Rolle. Die Ankunft von Hunderttausenden syrischen Flüchtlingen vor vier Jahren, die ihre Heimat aufgrund eines zerstörerischen Krieges verloren haben, hat dies jedoch geändert. Wenn aber Heimat zunehmend politisiert und – wie dies zunehmend nationalistisch-völkische Gruppen tun – auf die Nation ausgedehnt wird, verfälscht das ihren ursprünglichen Bedeutungsgehalt. Dann steht Heimat nicht mehr für die zutiefst persönliche Prägung auf einen bestimmten Ort, eine Sprache oder Religion, sondern für ein Volk als abstrakte Abstammungsgemeinschaft.

Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird.
Christian Morgenstern

IMG_1975.jpgHeimat – das ist ein großes Wort, ein facettenreiches Thema. Als ich hörte, dass „Heimat“ das Thema dieses Gemeindebriefs sein soll fiel mir sofort der Begriff „Bewahrung der Schöpfung“ ein. Die Schöpfung, unsere Lebensgrundlage, mit der wir oft so achtlos umgehen, als hätten wir eine weitere in Reserve… Die Apelle,  mehr Anstrengung zu einer Umkehr zu unternehmen werden lauter. Sie richten sich an Politik und Wirtschaft, sie richten sich aber auch an jede und jeden Einzelnen von uns. Beides ist wichtig. Und es gibt vielfältige Möglichkeiten, auch und gerade hier in Ehrenfeld. Global denken und lokal handeln scheint mir aktueller denn je.
Hella Reich

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Wir laden gemeinsam mit dem „Projekt Nachhaltigkeit im Kirchenkreis“ zu zwei Veranstaltungen ein:
Sa, 05. Oktober, 15 bis 17 Uhr
Ernst-Flatow-Haus
Messe: fair trade - gutes Leben überall

Viele Menschen fragen sich, wie sie verantwortlich leben können: Wie sieht ein verantwortlicher Konsum von Nahrungsmitteln aus? Welchen Verpackungsmüll hinterlasse ich beim Einkaufen und wie voll ist mein Kleiderschrank? Was kann und will ich mir leisten?
Wir haben auf diese Fragen keine Patentrezepte oder einfachen Antworten.
Mit Menschen aus Ehrenfeld, die in Projekten und Initiativen entschiedene Schritte gehen, wollen wir ins Gespräch kommen. Dazu haben wir sie am Samstag vor dem Erntedankfest ins Ernst-Flatow-Haus eingeladen.
Kommen Sie dazu, seien Sie neugierig auf:
Biohof Stadt Land Gemüse; Marktschwärmer; Veedelskrämer Unverpackt; Kleiderei; The Good Food