KIRCHE ANDERS

Wenn die Nähe fehlt – ist alles anders. Die Corona-Pandemie zeigt uns auf nie dagewesene Weise, wie sehr das zwischenmenschliche Miteinander fehlt und wie stark sich unser Leben seit März verändert hat. Die Meinungen und Sorgen zur gegenwärtigen Ausnahmesituation unterscheiden sich stark – auch in Ehrenfeld: Einige sind besorgt, selbst an COVID-19 zu erkranken oder andere anzustecken. Sie meiden soziale Kontakte. Andere halten die Maßnahmen für übertrieben. Bei ihnen mag die Sorge überwiegen, ob sie wirtschaftlich überleben und ihr Arbeitsplatz dauerhaft gesichert ist. Alle diese unterschiedlichen Ansichten sind berechtigt, zeigen sie doch, dass wir über das neue Virus noch zu wenig wissen. Wie gefährlich ist COVID-19 tatsächlich? Da gibt es das warnende Beispiel der 26-jährigen Triathletin Annika Söllinger aus Leichlingen, die sich mit dem Virus angesteckt und einen leichten Krankheitsverlauf durchlebt hatte. Die Folgen aber waren dramatisch: Anfang März noch war die Sportlerin 10 bis 15 Kilometer am Tag gelaufen. Seit der Erkrankung aber hat sie Atemnot und muss ein Asthma-Spray nehmen. Offenbar schädigt die Infektion dauerhaft Organe – und das nicht nur bei Menschen mit einer Vorerkrankung. »Die Angst ist, dass die Lunge so stark geschädigt wird, dass sie ihre normale Struktur nicht wieder komplett aufbauen kann«, sagt Lungenarzt Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Trotz solcher Meldungen fragen sich viele, wie lange wir unser Leben für den Infektionsschutz noch beschränken müssen.

Auch die soziale Isolation hat Auswirkungen, gerade für Kinder und Jugendliche. So warnt der italienische Cyberpsychologe Tonino Cantelmi, dass massenhaft »digitalisierte und isolierte Teenager« geschaffen worden seien, für die es schwierig werde, in die Normalität zurückzufinden. Cantelmi wandte sich zudem gegen eine neue Begeisterung für digitale Technologien angesichts der Corona-Krise. Wer meine, HomeOffice, Online-Meetings oder Fernunterricht sei die Lösung für alle Probleme, liege falsch, so der Wissenschaftler. Vielmehr sehe er in einem solchen Übermaß an modernem Individualismus eine ernste Gefahr für das zwischenmenschliche Leben. Es ist zu hoffen, dass wir aus dieser Krise gelernt haben, das Miteinander wieder mehr wertzuschätzen. Auch in unserer Gemeinde merken wir, dass Online-Gottesdienste, Videokonferenzen und E-Mails den direkten Kontakt nicht ersetzen können. Der persönliche Austausch und die Nähe zu anderen Menschen fehlen.