Segen

Vor Jahren besuchte ich in einer Kölner Gemeinde einen Gottesdienst. Am Ende beschloss der Pfarrer den Gottesdienst mit der Abkündigung und den guten Wünschen für den Tag – aber ohne Segen. Völlig irritiert blieb ich zurück. Brav hatte ich eine Stunde Predigt, Lesung, Lieder und Gebete angehört und sollte am Ende ohne Schutz in den Sonntag gehen?

Durch diese Lücke ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, welche besondere Bedeutung der Segen am Ende des Gottesdienstes für mich hat. Er nimmt verhältnismäßig wenig Raum ein, und strahlt gleichzeitig viel aus. Er legt sich über mich und – zumindest für den Moment – weiß ich, dass mir nichts passieren kann, weil jemand bei mir ist.

Komm-segne-uns.jpgGottes Segen zu empfangen ist ein Zuspruch, ein Schutz und vor allem ein Geschenk. Niemand muss oder kann ihn sich verdienen. Der Segenswunsch im Gottesdienst geht an alle, die anwesend sind. Im Privaten sind wir da sicher etwas wählerischer. Wir segnen vorwiegend Menschen, die uns nahe stehen. „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen“ heißt es dann. Wir wünschen Schutz auf Reisen und Glück bei besonderen Lebensübergängen (Schuleintritt, Konfirmation, Hochzeit, Berufseinstieg, Geburtstagsjubiläen). Alles soll gut werden und Gott sorgt dafür.

Üblicherweise werden Menschen gesegnet. In der katholischen Kirche auch Gegenstände, in der evangelischen Kirche ist das seltener. Wenn wir „die Gaben, die du uns bescheret hast“ am Tisch segnen oder an alten Fachwerkhäusern Inschriften wie „Gott segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus“ finden, so ist der Segen vor allem für die Menschen bestimmt, die die Gaben verzehren und in dem Haus wohnen.
Im Alltag empfinden wir jedoch manche Gegenstände als Segen. Dinge, die uns das Leben angenehmer machen, es erleichtern, Freude stiften. Manche Gegenstände schaffen es aber, „Fluch und Segen“ zugleich zu sein. Smartphones, E-Roller, Plastik, Windkraft, Roboter usw. Vor allem neue Errungenschaften scheinen oft ein Segen zu sein, bevor wir erkennen, dass vieles zwei Seiten hat. Doch selbst die positivsten Gegenstände können nur umgangssprachlich ein Segen sein. Gottes Schutz bieten sie nicht.

Wer oder was ein Segen ist, definieren die meisten Menschen für sich unterschiedlich und deswegen haben wir uns in der Gemeinde 1mose12_2.jpg umgehört und gefragt „Was ist für dich ein Segen?“ und „Wen würdest du gerne segnen?“. Die Antworten vielen den meisten zunächst schwer. Ein Segen scheint etwas Besonderes zu sein, den verteilt man nicht mal ebenso. Vielleicht empfinden wir Segen auch zu selten, um uns spontan daran zu erinnern?

Bevor Sie die Antworten lesen, nehmen Sie sich kurz die Zeit, die zwei Fragen erstmal für sich selbst zu beantworten: „Was ist für mich ein Segen? Wer sollte ihn von mir bekommen?“

Gottes Segen tut allen Menschen gut. Wir sollten ihn nicht zu selten verteilen. Nicht nur bei Krisen, Lebensübergängen oder besonderen Anlässen, sondern auch im Alltag.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen gesegneten Tag und Jahresausklang.