Auf ein Wort

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“
(Genesis 12,2)

Was für ein Segen!
 

„Wann beginnt menschliches Leben?“ Das werden drei Geistliche gefragt. Der katholische Priester ist sich sicher: „Mit der Zeugung!“ Die evangelische Pfarrerin antwortet fragend: „Vor der Geburt?“ „Nein,“ sagt der Rabbi, „menschliches Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund tot ist!“

Bei einigen fängt das Leben mit 18 Jahren an: endlich volljährig! Nach der Schulzeit raus in die Welt, Work & Travel, freies soziales Jahr, Ausbildung, erste Stelle. In den 70er Jahren sang Udo Jürgens „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“ Ruhestand als die große Freiheit?

Abraham und Sara sind bereits über 70, als es für sie richtig losgeht, als Gottes Ruf sie trifft und sie aufbrechen sollen in ein unbekanntes Land. In diesem Alter noch die Heimat verlassen, wer traut sich das? Auch wenn die beiden als Nomaden das Umherziehen gewohnt sind, einen alten Baum verpflanzt man nicht. Und nun sollen sie nach Gottes Willen alles verlassen, was ihr Leben ausgemacht hat: die vertraute Heimat, den Schutz der Sippe, die familiäre Geborgenheit. Mit ungewisser Zukunft! Aber nicht ohne den „Reisesegen Gottes“. Gott sagt zu Abraham:
„Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“
Abraham und Sara ziehen los. Das Gepäck ist spärlich, aber riesengroß die Verheißung. Sie müssen daran glauben, müssen darauf vertrauen, dass in Erfüllung geht, was Gott ihnen zugesagt hat. Die Bibel erzählt uns davon.

Aufbrüche erleben wir auch heute: aus Sehnsucht nach Abenteuer, aus purer Not, aus Neugierde, auf der Suche nach Sicherheit und Zukunft, in die neue Stelle, in den Ruhestand…!
Wer so glaubt wie Abraham und Sara, kann niemals sagen: Das Entscheidende, das Beste liegt bereits hinter mir. Egal wie alt wir sind und was wir erleben, die Zukunft liegt verheißungsvoll vor uns und Leben beginnt jeden Tag aufs Neue. Gottes Segen begleitet uns dabei, gibt Kraft für die Schritte, die wir gehen, für die Entscheidungen, die wir zu treffen haben. Ist Schutz und Halt, ist Wärme und Heimat. Manchmal ist Segen ein richtiger Knaller, ein großes Glück, manchmal kommt er kaum wahrnehmbar, ganz im Geheimen daher. Das Schöne an Segen ist immer, dass er durch uns hindurch, durch Herzen und Hände fließt: im Überfluss, zum Weitergeben. Wir sind gesegnet und können zum Segen werden.
Wann beginnt das Leben? Jetzt!

Pfarrerin Uta Walger