Singen ist das Fundament

Singen ist das Fundament in allen Dingen

…  so schreibt es Georg Philipp Telemann. Was wären unsere Gemeinden, unsere Gottesdienste und Veranstaltungen – was wäre Kirche ohne Gesang? Vom Kita-Gottesdienst bis zur Bestattung; Gesang ist nicht Ausschmückung, sondern gemeinsames Erleben und Erlebnis, Mittel zum Ausdruck von Gefühlen, verbindendes Medium der Gemeinde als aktiv Teilnehmende/Singende oder Zuhörende.

singen- mendelssohn.jpgUnsere vokale Kirchenmusik ist ein enormer Schatz! Unsere Liturgie, ­unsere Choräle – Gesang ist Verkündigung und Teilhabe an diesem reichen Schatz. Die ersten Noten, die jemals aufgeschrieben wurden, waren geistliche (gregoria­nische) Gesänge, entstanden im 11. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren Gesänge den Geistlichen bzw. Ordensleuten vorbehalten und haben bis heute nichts von ihrer Faszination und höchster Spiritualität verloren. In unserer Gemeinde wird diese Gesangs­tradition durch unsere Frauenschola wachgehalten und gepflegt und ist seit Jahren fester ­Bestandteil der Gottesdienste am Karfreitag oder in der Osternacht. Nicht alle Besucher verstehen die lateinischen Texte, aber Unmittelbarkeit, Spiritualität und Nähe übertragen sich längst nicht nur über die Worte! Einmal jährlich treffen sich die Sängerinnen der Schola zu einem Workshopwochenende und stellen die Ergebnisse in einer Ehrenfelder Abendmusik vor. Es war im wesentlichen Martin ­Luther, der nicht nur viele eigene Lieder komponierte, die erfreulicherweise in unserem Gesangbuch zu finden sind, der etliche gregorianische Gesänge übersetzte und in Versform brachte. Jeder kennt ›Ein feste Burg‹. Das von Luther bearbeitet pfingstliche ›Komm heiliger Geist‹ (EG 126) geht auf den Hymnus ›Veni creator spiritus‹ zurück, das weihnachtliche ›Christum wir sollen loben schon‹ (EG 539) auf den Hymnus ›A solis ortus‹, ­einer überlieferten Melodie aus dem Jahr 430! Ein Luthers Gesängen gewidmetes Programm erklang im Lutherjahr 2017 in unserer Versöhnungskirche.




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Johann Sebastian Bach Martin Luther Heinrich Schütz

 

Die evangelische Kirchenmusik vereint viele große Namen: H. Schütz, D. Buxtehude, G.P. Telemann, F. Mendelssohn-Bartholdy und selbstverständlich Johann Seba­stian Bach und Söhne. Von Bach sind fünf Jahrgänge à 59 Kantaten bekannt; Telemann toppt das bei weitem mit einem Schaffen von über 1750 geistlichen Kantaten zum gottesdienstlichen Gebrauch. Was für ein Reichtum! Diesen Reichtum zum Klingen zu bringen stellt einen der Schwerpunkte unserer kirchenmusikalischen Arbeit und Ausrichtung am KulturRaum Friedenskirche dar. In Gottesdiensten an der Friedenskirche und vor allem unserer Konzertreihe machen klassische Kompositionen und traditionelle Kirchenmusik den Hauptanteil der aufgeführten Werke aus. Die Kreativität liegt auch im Bewahrenden, das Aktuelle im Traditionellen, das auch bei 300 oder mehr Jahre alter Musik immer wieder Neues zum Entdecken und Erleben bereit hält, weil es keine kurzlebig, zeitgeistlich-orientierte Musik ist, sondern in Noten gegossene Verkündigung – wie beispielsweise J.S. Bach seine Musik verstanden haben wollte – die uns auch heute noch so viel zu sagen und zu geben hat. Das Zeitgenössische im Zeitlosen!
image001.jpgEine der wichtigsten und tragfähig­sten Säulen der musikalischen Arbeit in unserer Gemeinde ist unser Chor, die ­Ehrenfelder Kantorei, die momentan 57 Sängerinnen und Sänger umfasst und deren Arbeit längst über die Grenzen Ehrenfelds hinaus bekannt ist. Alljährlich gestaltet der Chor am Karfreitag die ›Musik zur Todesstunde‹ und lädt im Advent zum traditionellen Weihnachtskonzert. Natürlich wird auch in der Kantorei die Pflege des musikalischen Erbes groß­geschrieben. Im Laufe der vergangenen Jahre erklang Musik von Bach (Weihnachtsoratorium, Kantaten),  Händel (Johannespassion), Brahms (Auszüge aus dem Deutschen Requiem), Mendelssohn-Bartholdy (Psalmvertonungen, ­Teile aus dem Oratorium Christus) u.v.a., aber auch zeitgenössische Kompositionen (David Fisher, John Rutter, Renato Rosic, Sir Karl Jenkins) brachte der Chor zu Gehör. Zusätzliche Konzerte gibt die Kantorei in Zusammenarbeit mit der Kreiskantorei Köln-Nord; im Januar 2019 unternahm der Chor eine Konzertreise nach New York und nahm an einem allen Teilnehmenden unvergesslichen Projekt mehrerer Chöre in der Carnegie Hall teil. Die Freude am gemeinsamen Musizieren und das gute Miteinander in der Kantorei hat sicherlich dazu beigetragen, dass auch schwierige Zeiten einer Pandemie überstanden werden konnten. Zahlreiche Chöre und Vokalensembles haben ihre Arbeit dauerhaft einstellen müssen, sind aus dem Proben- und Konzertbetrieb verschwunden. Es ist wunderbar, dass die Ehrenfelder Kantorei in der Lage ist, ohne nennenswerten Mitgliederschwund ihre bedeutsame Arbeit fort zu setzen.
Im März diesen Jahres fand in der Friedenskirche die 100. Ehrenfelder Abendmusik statt! 100 Konzerte widmeten sich Musik des Mittelalters bis zur Moderne, namhafte Künstlerinnen und Künstler (Dame Emma Kirkby, Dietrich Henschel, Suzanne McLeod, Frank Deleu u.v.a) waren zu Gast und es ist natürlich erfreulich, dass sich unsere Konzertreihe weit über die Gemeindegrenzen hinaus großer Beliebtheit erfreut und wichtiger Bestandteil des musikalischen Lebens in unserer Gemeinde ist.
Es ist wohltuend, dass diese vielschich­tigen und vielseitigen musikalischen Angebote fester Bestandteil unserer ­Gemeindearbeit ist, die allen, Ausführenden und Zuhörenden zugutekommt!  Es gibt noch viele musikalische ­Schätze zu entdecken und zu heben, viel des reichen Erbes unserer evangelischen Kirchenmusik zu Gehör zu bringen, Gott in Musik und Tönen zu loben, Traditionen zu pflegen und Besucherinnen und Besucher der Gottesdienste und Konzerte immer wieder neu auf musikalische Reisen mit zu nehmen. »SDG« (Soli Deo Gloria – allein zur Ehre Gottes) schrieb Bach unter ­viele seiner Werke. Zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen wollen wir in ­Ehrenfeld Musik machen!
Joachim Diessner