Veränderung

Evangelisch in Ehrenfeld

Menschen fragen mich zur Zeit oft: „Sind Sie jetzt der neue Pfarrer der Friedenskirche?“ Und meine Antwort darauf fällt meistens irgendwie so aus: „Ja und nein. Ich bin der Nachfolger von Siegfried Kuttner und ab Oktober 2022 einer von zwei Pfarrern der evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld.“
Für mich persönlich ist diese Antwort sehr wichtig, denn wir haben uns als evangelische Kirche in Ehrenfeld dazu entschieden nicht mehr in zwei Bezirken, mit zwei Pfarrer*innen, zwei Kirchen und zwei Gemeindehäusern zu denken, sondern uns als eine Gemeinde zu begreifen und gemeinsam zu schauen, wie wir Feste feiern, Freuden teilen und Herausforderungen meistern können.
Aufgaben werden also nicht mehr länger geografisch aufgeteilt, sondern nach Gaben, Interessen und Fähigkeiten. Pfarrer Martin Dielmann wird dabei einen Schwerpunkt auf Erwachsenenbildung und Kulturarbeit legen und ich einen Schwerpunkt auf Kinder, Jugend und Familie. Ganz praktisch bedeutet das z. B., dass ich zum Ansprechpartner für unsere Kindertagesstätten und die Schulgottesdienste werde und Martin Dielmann die Arbeit mit unseren Senior*innen übernimmt. Für die Gottesdienste bedeutet das, dass wir beide in beiden Kirchen aktiv sind.
Werde ich jetzt also Pfarrer in der Friedenskirche? Ja, aber nicht nur. Denn Martin Dielmann und ich sind gemeinsam das Pfarrteam der evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld.

Pfarrer Stefan Dross

 

INTERVIEW

Zwei Personen aus dem Pfarrteam stehen gerade an ganz persönlichen Wendepunkten in ihrem Leben. Uta Walger geht in den wohlverdienten Ruhestand und Stefan Dross tritt seine Stelle als Pfarrer in Ehrenfeld an. Dr. Priska Mielke hat mit den beiden über das Thema „Veränderung“ gesprochen.

stefan_dross_kl_bild-g-buckan2022.jpgWas bedeutet Veränderung für euch persönlich?
Stefan Dross: Veränderung ist für mich erst einmal ein ganz positiv besetzter Begriff, denn ich freue mich immer, Neues zu erfahren. Das erweckt bei mir so eine Neugier und macht Lust darauf zu sehen: Wohin geht es? Was ich daran auch so schön finde, ist: Das ist immer so ein Ausprobieren. Was man neu ausprobiert, muss gar nicht besser sein als das Alte, es darf sich auch entwickeln. Ich habe bei Veränderungen wenig Angst, dass etwas Gutes verlorengeht, weil ich glaube, dass Gutes bleibt. Veränderung macht Mut, auch ganz Neues auszuprobieren.
Uta Walger: Veränderung ist für mich beides: Ich hänge sehr an schönen Gewohnheiten, an Vertrautem, und gleichzeitig merke ich, wenn es zu vertraut ist, kann es schon mal langweilig werden oder nicht mehr aktuell, nicht mehr nützlich. Dann ist Veränderung eine tolle Chance, da noch einmal nachzujustieren und etwas auszuprobieren, in Bewegung zu kommen, andere in Bewegung zu bringen und auch ein Stück weit der Wirklichkeit, die sich ja ständig verändert, Rechnung zu tragen. Ich finde, in Veränderung liegt immer eine große Kraft. Und sie gibt auch Kraft, sie nimmt nicht nur welche.

_uta_walger_gh2©buckan.jpgWelche Veränderung wünscht ihr euch für die Gemeinde Ehrenfeld?
Stefan Dross: Ich kann erst einmal sagen, dass ich den Mut zur Veränderung spüre. Ich war schon ganz froh, wo sich einfach ausprobiert wurde, wo Neues eine Chance hatte zu wachsen. Was ich mir wünsche an Veränderung, ist eine noch stärkere Öffnung hin zu unserem Veedel, also, dass wir die Augen aufmachen und gucken: Wer ist da? Welches Potential ist schon da? Was machen die Leute schon und wo können wir als Partnerin/ als Partner auf Augenhöhe auf diese Leute zugehen und sagen: Wir machen mit! Wir wirken mit an der großen Veränderung und warten nicht darauf, dass die Leute zu uns kommen, sondern sind einfach auf der Straße, wo die Geschichten von Jesus auch stattgefunden haben.
Uta Walger: Ich wünsche mir von den Veränderungen, dass sie von Mut begleitet sind: raus aus der Komfortzone, runter vom Sofa, dahin, wo die Leute sind, wo es spannend ist, oder wo es auch anstrengend ist, dass Gemeinde sich auf den Weg macht und nicht wartet, bis die Menschen kommen, sondern zu den Leuten hingeht.

Gibt es etwas, das euch in Umbruchsituationen Mut macht?
Stefan Dross: Auf jeden Fall sind das Erfahrungen, wo ich meinem Leben schon Veränderungen erlebt habe und gemerkt habe, dass diese Veränderung gar nicht wehgetan hat, sondern zu mehr Lebendigkeit geführt haben. Was mir Mut macht, ist, dass Gott uns bis hierhin geführt hat und auch weiter führt als Kirche, dass wir an Gottes großer Veränderung in dieser Welt teilhaben, dass wir Teil der Mission Gottes für diese Welt sind und damit an einem guten Werk arbeiten. Das macht mir einfach Mut, nach vorne zu schauen.
Uta Walger: Bei der Frage fällt mir Bonhoeffers Glaubensbekenntnis ein, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann, und dass er uns genauso viel Kraft gibt, wie wir brauchen. Diese Erfahrung habe ich schon oft gemacht, dass ich dachte, es geht nicht weiter, und dann waren da Menschen, die unterstützend waren. Dann kommt in mir selber eine Kraft zum Tragen, die ich vorher gar nicht gespürt hatte, und ich merke dann: Es gibt doch mehr, als ich sehen kann. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich ein großes Zutrauen, dass alles gut wird.

Vielen Dank euch beiden für das Gespräch!